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EIN GLÜCKLICHER TAG

Autorenbild: Alexandra Luna Vidal
Alexandra Luna Vidal
2. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Okt.

Einer der glücklichsten Tage im Leben einer Frau, die schon allzu lange auf der Suche ist:

nach Heimat, nach Ankommen, nach Geborgenheit, nach der Leichtigkeit des Seins …


Eine Frau, die das Meer als ihr Zuhause sieht, am Meer sein, ins Meer eintauchen, untertauchen und notwendigerweise wieder auftauchen, um zu atmen, denn sie gehört auf die Erde. Auch wenn sie sich dort nicht wirklich angekommen fühlt, lebt sie doch auf dieser Erde mit all den Höhen und Tiefen ihres Daseins, Verlusten, Katastrophen, Ankünften und Abschieden.


Nennen wir diese Frau Alma, die Seele – die Seele, die in einem weiblichen Körper wohnt und lebt und liebt, besonders das Meer, an dem sie jeden Tag viele Stunden verbringt.


Eines Tages, früh am Morgen, sah sie Ihn schon dort sitzen – an ihrem Platz, der unter einer Pinie ihr besonderer Platz geworden war. Sie sahen sich an und erkannten einander, zwei Seelen, Fremde und doch allzu vertraut – ein Lächeln zog sie zueinander, ein kurzes Gespräch, ein miteinander ins Meer Tauchen, ein Abschied.


Er hatte nur die kurzen Morgen, nur an den Wochenenden im Sommer, nur diese Momente, mehr konnte er ihr nicht schenken. Woche für Woche freute sich Alma auf diese kurzen Momente, die nicht einmal jede Woche möglich waren. Täglich ging sie an den Strand, einmal war er da, manchmal kam er wieder, nur für diese Momente, in denen sie in ein Zeitloch fielen und allzu schnell wieder getrennt wurden.


Sie ist frei, er gebunden … die Seelen sind verbunden, die Leben sind in zwei Welten.

Wie sehr sie sich gewünscht hat, mit ihm in eine andere Zeitlinie zu verschwinden – jenseits der diesseitigen Zeit, jenseits der diesseitigen Welt, jenseits ihrer getrennten Leben.


Schon drei Wochen war er nicht mehr an ihrem Platz aufgetaucht.

Doch dann kam dieser eine glückliche Tag ihres Lebens, ein gesamter Tag des Glücksempfindens …


Ein Tag auf dem Boot.

Ein Tag, an dem sie gemeinsam in die unterschiedlichsten mystischen Höhlen schwimmen …

Er neben ihr, vor ihr, hinter ihr.

Dieses ständige Anschauen – sie nimmt mit ihren Augen seinen Anblick in sich auf, jeden Teil seines Körpers. Immer wieder treffen sich ihre Blicke, tief verbunden und doch so sehr getrennt von der Möglichkeit zu verweilen.

Dieses kaum mögliche Berühren – manchmal nur ein sanftes Streifen, manchmal ein wenig mehr. Das gegenseitige Magnetische, das sie zueinander zieht und gleichzeitig dieses Zurückweichen, weil sie beide wissen:

Wir dürfen nicht, wir dürfen einander nicht näherkommen …

Und mitten in diesem Sein der beiden, in diesem Magnetismus der Anziehung, sein bester Freund – er wurde auch eingeladen mitzukommen. Sie versteht ihn – alleine wären sie der gegenseitigen Sehnsucht nicht entkommen. Der Freund, der es nicht übersehen kann, ahnt, was da ist. Sein bester Freund, der vermutlich nach diesem Tag ihn darin unterstützt, ihn in seiner Entscheidung stärkt, diesen Tag tatsächlich zum letzten werden zu lassen …

Sie fürchtet es und doch ist sie nur im Moment des Glücks, in dem sie vollkommen aufgeht – in jedem Moment dieses Tages. Sie ist da – nicht analysierend, nicht suchend, nicht fragend, was daraus werden könnte.

EINFACH GLÜCKLICH.


Vielleicht ist genau das das Erschütternde daran:

Sie erlebt diesen Tag nicht glücklich, weil sie denkt, dass daraus ihre Zukunft wird.

Sie ist glücklich, während es geschieht, Moment für Moment für Moment.


Er deutet an, dass es der letzte Tag der Begegnung sein muss, dass nach diesem Tag kein Wiedersehen sein wird, dass er ihr nicht mehr begegnen möchte, nicht begegnen darf.

Sie wusste es schon zuvor und doch kann sie dieses Glücksempfinden voll und ganz genießen – in jeder Faser ihres Seins.


Der Abschied ist kurz und klar.

Sie ist unendlich dankbar, einen Tag mit ihm erlebt zu haben – mit beiden Männern, mit Männern, die Frauen wertschätzen.


Er hat sie gesehen, er hat entschieden, sich selbst treu zu bleiben – er ist nicht frei, sie schon.

Sie versteht ihn und doch bleibt die Wehmut, bleibt noch mehr Liebe für diesen Mann, der seine Werte lebt trotz allem.

Was bleibt, ist ihr Alleinsein!


Alma blickt zurück auf ihre letzten Jahre und fragt sich:

Wann war ich eigentlich zuletzt so glücklich – einen ganzen Tag nur glücklich?

Sie findet keinen.

Gleichzeitig ist das wunderschön und unendlich traurig.


Manchmal ist ein einziger Tag vollkommen, obwohl er keine Zukunft hat.

Er war da.

Sie war da.

Sie hat ihn angesehen und wurde von ihm gesehen – ganz.

Sie hat sich lebendig gefühlt, einfach glücklich.

Sie hat ihn begehrt und sich von ihm begehrt gefühlt,

ganzheitlich, nicht nur ihren Körper, sich als Frau.

Sie hat gelacht, das Meer erlebt, die Höhlen gesehen, Nähe gespürt.


Dieser Tag gehört ganz ihr.


Und sie erkennt …

Wie lange sie offenbar darauf gewartet hat, wieder einmal einen Tag so glücklich zu sein.


So bleiben nur die Fragen offen:

Ist Einsamkeit vielleicht nicht das Gegenteil von Glück?

Kann man mitten in einem vollkommenen Glückstag bereits tief im Innersten die Einsamkeit spüren, weil man weiß, dass man ihn nicht teilen kann, wie man sein Leben teilen möchte?


Das Geschenk dieses Mannes für Alma ist groß:

Sie weiß wieder, wie es sich anfühlt, tief berührt zu sein – jenseits der körperlichen Anziehung, jenseits des Begehrens, jenseits der Attraktion des Äußeren – tief berührt zu sein im Herzen, in der Seele und doch zu wissen, dass Liebe bedeutet, den anderen freizugeben, zu seinem Besten...und vermutlich auch zu ihrem Besten, zum Besten des Ganzen.

Und sie bewahrt sich dieses Gefühl tief in ihrem Inneren - denn so fühlt es sich richtig an, wenn der Mann auftaucht, der für sie frei ist - und bleibt.


Auch wenn die Sehnsucht bleibt, die Einsamkeit und Traurigkeit, bleibt ebenso die große Dankbarkeit für das Geschenk eines ganzen glücklichen Tages.


Denn diesen Tag und dieses Gefühl kann ihr keiner mehr nehmen! 


Einfach mystisch ...zwischen Wasser und Erde
Einfach mystisch ...zwischen Wasser und Erde
Eins-Sein und glücklich
Eins-Sein und glücklich

 
 
 

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