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  • Alexandra Luna Vidal

Tod und Auferstehung


Nachdem am 19.9. der erste Knall über meinem Haus zu hören war, musste ich exakt 21 Tage bangen, meditieren, beten und hoffen, dass die Lava im Hauptstrom bleibt. Als dann am 9.10. ein Teil des Kraters weggebrochen war und sich ein neuer, schnell fließender Strom Richtung meiner Finca bewegt hatte, wusste meine Seele, dass es zu Ende war. Unruhig legte ich mich in mein Bett, zündete die letzte kleine Kerze, die ich noch aus meinem Haus mitgenommen hatte an und hoffte. Als ich um 3 Uhr in der Früh hochschreckte, musste es geschehen sein – noch kurz brannte das Kerzlein, dann verlosch es und mit ihm meine gesamte Existenzgrundlage, die ich mir liebevoll alleine von Juli 2018 an aufgebaut hatte. Am 12.12.2018 zog ich ein in mein Zuhause, am 10.10. 2021 wurde es mir genommen. Ich durfte 33 Monate erfahren, wie es sich anfühlt ZUHAUSE zu sein – erstmals in meinem Leben, ich durfte meine wundervolle Herzensarbeit ausüben, ich durfte Menschen begleiten und in einem Netzwerk wundervoller Menschen wirken. In meinen Aufstellungsgruppen kamen zumeist 20-25 Menschen, ich hatte noch das Geschenk vom 1.-10.9. eine Retreatgästin zu begleiten…dann begannen die Erdbeben und als ich am 19.9. in der Früh aufwachte, wusste ich, dass es Zeit ist, meinen Koffer zu packen. Ich bevorzugte jedoch noch zu meinem geliebten Ozean zu fahren. Um 13 Uhr allerdings musste ich losfahren, um vollzutanken und den Koffer vorzubereiten. Ich traf bei der Tankstelle noch Monika, die mir versprach mich aufzunehmen, ich packte meine Yogasachen für 3 Tage, weil ich doch dann wieder nach Hause wollte, ich ging mit Margarita zu unserem Lieblingscafe, dem Palmerita… und plötzlich geschah es! Um 15:12 Uhr brach er aus, der Vulkan, der seit nunmehr 31 Tagen durchgehend tobt und zerstört. Ich nahm mir noch ein letztes Dessert mit und fuhr nach Hause. Schnell packte ich noch Einiges ein …Lebensmittelvorräte (man könnte ja verhungern) und die Bilderrahmen mit meinen Kindern – sogar an die beiden Gasflaschen dachte ich, die mir mein Nachbar Felipe abnahm, weil er nicht verstand, warum ich denn so eilig losfahren würde. „No te preocupes“, waren seine letzten persönlichen Worte, die er mit mir sprach, seither sind wir uns nicht mehr begegnet und NICHTS mehr existiert, was wir dort an wunderschönen Häusern hatten. ALLES IST JETZT TEIL DER LAVA!

Ich „flüchtete“ nach einer Woche nach La Gomera, wo ich vor 13 Jahren beinahe selbst am Atlantik in den Felsen gestorben wäre. Ich starb erneut im Leben, wie schon oftmals seit meiner Zeugung. Sie, meine geistigen Begleiter, ließen mich damals überleben und sie ließen mich diesmal wieder überleben. Damals musste mein 90 Grad luxiertes Bein am Knie drei Mal operiert werden. Nach der vierten Reha kam ich zurück an den Platz meines Traumas, um ein Ritual der Dankbarkeit zu machen – ich tat es. Und irgendwann wollte ich hier LEBEN, wo ich überlebt hatte. 2017 verließ ich Österreich. Doch meine Seele führte mich weiter – nach La Palma – und ich wusste sehr bald, dass ich dort mein Zuhause habe, nach dem ich mich mein Leben lang gesehnt hatte.

Ich bat immer darum, nach Hause zu dürfen, wenn es auf Mutter Erde kein Zuhause für mich gibt – ich hatte es nun 33 Monate und JETZT, ein neuer Tod im Leben: der Tod meines Hauses der Casa AlmaLuz, dem SeelenLicht, und meines Gästehauses, der Casa Estrella del Mar, dem Seestern, mit beinahe allem, was ich hatte. Ich habe noch 2 CDs und 7 Bücher, ein paar persönliche Dinge und etwas an Kleidung, drei Yogamatten und meine Klangschalen – hauptsächlich nahm ich Geschenke von meinen Lieben mit und zwei Fotoschachteln – und mein EBike, das mir zwei Gomera-Freunde mit einem La Palma Freund ca.36 Stunden vor dem Untergang herausgeholt hatten. Zweimal konnte ich zurück, bevor ich die Insel verließ. Kopflos packte ich ein, beim zweiten Mal so gut wie nichts – da legte ich Christusblüten und Feigenblätter vor meine 3 Eingangstüren und segnete mein Heim, vermutlich war es bereits damals das Begräbnisritual. Ich ging durch all die Räume und segnete alles, an jenem 23.9. 2021. Am 26.9. verließ ich meine Seelenheimat, um zur anderen zurückzukehren.

Hier auf La Gomera wurde ich an meinem Lieblingsplatz von Sabine, in der OASIS, aufgenommen – sie gab mir ein wundervolles Apartment, für 27 Tage, das ich jetzt ab heute, von diesem Vollmondtag im Widder noch drei Tage genießen darf… dann geht es weiter und die Hoffnung auf ein ZUHAUSE bleibt, meine Vision meines „Zentrums für Heilung, Bewusstsein und Begegnung“ lebt in mir weiter.

Ich bin zutiefst erschöpft und zugleich unendlich DANKBAR, für all die wunderbaren Menschen, die mir zur Seite stehen, mir helfen, mich manches Mal halten und mich mit liebevollen Dingen beschenken. Die DANKBARKEIT, wieder überlebt zu haben, kann ich leider noch nicht wirklich spüren – wieder alleine, ohne den Seelenpartner an meiner Seite zu wissen, mit dem ich den Schmerz gemeinsam durchleben kann, der mir Halt gibt, der da ist, wenn ich mich schwach fühle, ... ohne ein Zuhause und ohne zu wissen, wohin ich gehen soll, um mit dem nächsten Neubeginn zu beginnen.


„Sein Wille geschehe!“ – Wo darf ich meine Auferstehung erleben?


Derzeit bin ich zutiefst erschöpft, zumal auch noch mein Auto stehengeblieben ist, nachdem es mich sicher von Insel zu Insel gebracht hat, das noch repariert wurde und hoffentlich morgen durch den ITV kommt. Ich weiß, dass ich am liebsten nur Ruhe möchte, aber zurück muss, weil die Ämter nicht akzeptieren, wenn mich dort jemand vertritt – ich muss bald zurück, um mich von allem, was mir wertvoll war zu verabschieden, einem Zuhause, lieben Menschen, meinem „Platz für Heilung, Bewusstsein und Begegnung“, der mich 33 Monate glücklich sein ließ, weil ich mich zumindest an einem Platz angekommen gefühlt hatte.


DANKBAR verneige ich mich vor allen, die mit mir mitfühlen, für mein Haus gebetet haben, mich jetzt für mein weiteres Leben mit Gebeten unterstützen, bei den Sicherheitskräften, die mich zwei Mal begleitet haben und die Freunde aus La Palma und La Gomera, die noch zwei Mal mein Haus betreten haben, um mir noch ein wenig von dem herauszuholen, was ich einst besaß, bei allen, die mir Geschenke zukommen ließen und bei jenen beiden Frauen, die mich bis jetzt beherbergt haben, dankbar, dass mich Ralf von der Versicherung so unterstützend begleitet (auch wenn ich vor Entsetzen lachen musste, als mir die Zahlung für ein weiteres Versicherungsjahr vom 14.10.2021- 13.10.2022 für das, was nicht mehr existiert, abgebucht wurde!) … und DANKBAR bin ich für meine Freundinnen und Freunde, Momente mit lieben Menschen, für die Sonnenuntergänge am Ozean, das Wasser, in das ich täglich eintauchen kann und dafür, dass es mir so viel besser geht, als vielen auf meiner Insel, die jetzt wirklich dringend Unterstützung brauchen, weil sie womöglich auch in totaler Armut landen. Möge das Versicherungs-Consortium mir bald meinen TOTALSCHADEN und das Land Spanien eine Abfindung für mein Grundstück, das nun Teil des Naturschutzgebietes wird, auszahlen, damit ich mit dem Neubeginn beginnen kann.


Das, was mich bisher immer JA zum Leben sagen lässt, sind meine beiden wunderbaren Kinder, die größten Geschenke meines Lebens, für die ich die allergrößte DANKBARKEIT spüre und dafür, dass ich mich mit meiner Mutter so tief versöhnen durfte und sie mir jetzt wirklich zur Seite steht – wenn auch aus der Ferne – und mir angeboten hat, zu kommen, um DA ZU SEIN – welch ein Geschenk.

Tod und Auferstehung im Leben – möge es bitte das letzte Mal sein in meinem LEBEN!


Am 10.10. vormittags die erste Luftaufnahme meines Platzes - glühende LAVA über allem!


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